Hoy 
Wednesday, 02.April 2014, 16:53
Wir sind schon wieder zurück von unserer Expedition nach Hoy. Legalistisch betrachtet waren wir noch auf einer zweiten Insel namens South Walls, wo unser Hotel stand. Die beiden Inseln sind durch einen sehr schmalen Damm verbunden und wenn man die Leute fragen würde, ob es nun zwei Inseln sind, bekäme man als Antwort wohl mehr als nur ja oder nein.

Nach unserer Ankunft auf Hoy fuhren wir direkt nach Rackwick, einer Ortschaft, wenn man sie überhaupt so nennen kann, wie es sie kein zweites Mal in Orkney gibt. Eingerahmt von steilen Hügeln und nur durch eine lange einspurige Strasse zu erreichen, mit einem wunderschönen Strand und gesäumt von hohen Klippen. Überhaupt sind die Hügel in Hoy noch viel spektakulärer von nahem. Wenn man sie auf einer Karte betrachtet, denkt man: Knapp 500m hoch, abgerundet, ein Hügel halt. Aber mit den waldbewachsenen gemütlichen Hügeln der Schweiz haben sie nichts zu tun. Wenn man an der Basis eines dieser Hügel in Hoy steht und den Kopf weit in den Nacken werfen muss um bis nach oben zu sehen, dann kommt einem nur noch ein Wort in den Sinn: Berge! Und wenn man sich vom Meer her annähern würde, wo der Anstieg noch steiler ist mit bis zu 320m hohen Klippen, gibt es nur noch Superlative. Wir haben uns für eine Zwischenlösung entschieden und sind von Rackwick aus den Klippen entlang zum Old Man of Hoy gewandert. Der Old Man ist ein 137m hoher freistehender schmaler Felsen im Meer, der sich vor ein paar Hundert Jahren von den Klippen gelöst hat. Unser Besuch dort war nicht sehr lange, da der Wind vom Land her blies, was das Bewegen nahe am Klippenrand etwas gfürchig machte. Ein Old Man genügte, wir brauchten nicht noch einen Dead Man.



Nach der Rückkehr nach Rackwick erkundeten wir noch den Strand mit den verschieden-farbigen Steinen (siehe auch 'Unsere Orkney Fotos') und dem vielen topfebenen Sand bei Ebbe. Wir liefen bis an den Rand des Strands, wo die Klippen 170m senkrecht in den Himmel steigen.

Auf dem Weg zum Hotel gab es noch einen kleinen Abstecher zum Dwarfie Stone. Es ist ein 8.5m x 2.5m grosser Felsen, der vor ca. 5'000 Jahren mit Steinwerkzeugen ausgehöhlt wurde. Der einzige seiner Art in Grossbritannien. Der Weg zum Hotel führte der Halbmarathonstrecke entlang, die ich im Juni rennen werden. Die vielen Auf- und Abstiege auf der Strecke haben mich fast etwas geschockt. Obwohl ich das Profil schon kannte, war es doch etwas anderes, alles mit den eigenen Augen zu sehen.

Den zweiten Tag verbrachten wir auf der südlichen Hälfte der Insel (oder eben teilweise in South Walls ...). Auch hier hatte es an der Küste wieder fantastische Felsgebilde, wie fast überall in Orkney. Wir sahen zwei Gloups und zwei Felsbrücken auf kleinstem Raum. Ein Gloup ist ein Loch weg von den Klippen, welches unterirdisch mit dem Meer verbunden ist. Daneben sieht man im Süden von Hoy aber vor allem eines: Krieg. Natürlich keinen aktuellen, aber Bauten aus 150 Jahren Krieg von den Napoleonischen Kriegen 1810 bis zum zweiten Weltkrieg. Der grösste Teil der Bauten ist zwar abgebaut, aber fast überall, wo man hinsieht sind noch Reste von Baracken, Öltanks, Pumpstationen, Kanonentürme, usw. Vor der Küste von Lyness lag 1919 die gesamte deutsche Kriegsmarine vor Anker bevor sie sich selber versenkte. Sieben Schiffe davon liegen immer noch auf dem Meeresgrund. Das Ganze hinterlässt zwiespältige Gefühle. Wenn man dieses Gefühl noch intensivieren will, kann man mit dem Auto auf die Anhöhe Wee Fea fahren um die dortige Kommunikationsstation anzusehen. Man kann sich im Gebäude frei bewegen, wenn man das wollte, aber das Ganze ist wie direkt aus einem Horrorfilm mit dunkeln Gängen und vielen Räumen. Man würde nicht mal merken, wenn man vor Angst in die Hosen macht, denn alles ist Zentimeter dick mit Schafkot bedeckt. Die Schafe haben das Gebäude in Beschlag genommen und das macht die Sache noch unheimlicher, wenn einem in einem Raum plötzlich Schafe anschauen und in einem Gang ein (halb?)totes Schaf liegt. Nichts für schwache Nerven.

Trotz diesem Abschluss war Hoy ein voller Erfolg, v.a. der Norden mit den Bergen(!) hat es uns angetan, insbesondere, weil es so anders ist, wie alles was wir bisher in Orkney gesehen haben.

Die Englisch sprechenden unter Euch interessiert evtl. der englische Blog Eintrag über Hoy, da dieser durch Natalie geschrieben wurde und das ganze aus ihrer Sicht beleuchtet ...


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